„Der Mensch wird am Du zum Ich“ (Martin Buber)
„Er wird zu dem Ich, dessen Du wir ihm sind.“ (Georg Feuser)

Eine Schule für alle Kinder – Inklusion an der Sudbrackschule

Mit der Unterzeichnung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen verpflichtet sich auch Deutschland zu einem inklusiven Bildungssystem – zu „einer Schule für alle“. Das allgemeine Bildungssystem soll sich so entwickeln, dass alle Kinder in ihm entsprechend ihren Fähigkeiten unterrichtet werden können, möglichst wohnortnah und in ihrem gewohnten sozialen Umfeld. Dieses Konzept des „Gemeinsamen Lernens“ ist für uns ein Schritt auf dem Weg zu einer „inklusiven Schule“.
In unseren Klassen mit „Gemeinsamem Lernen“ wollen wir gemeinsames und individuelles Lernen für alle Schülerinnen und Schüler erreichen. Wir nutzen die ausgesprochene Vielfalt in der Klasse als Chance:
Für alle Kinder ergibt sich ein hohes Anregungspotential im sozialen Bereich wie auch in allen weiteren Lernbereichen der Grundschule. Durch bewussten Umgang mit Heterogenität in der Didaktik (differenziertes Arbeiten, offene Arbeitsformen, Berücksichtigung verschiedener Lernausgangslagen und -strategien) lernen die Kinder auf unterschiedlichen Niveaus, jedoch möglichst am gemeinsamen Lerngegenstand.
Der Unterricht orientiert sich weitgehend am Grundschullehrplan, nimmt aber auch Elemente individueller Förderplanungen für einzelne Kinder auf und macht sie für alle nutzbar. Alle Lehrkräfte sowie alle pädagogischen Mitarbeitenden sind für alle Kinder zuständig – Unterrichtsvorbereitung, individuelle Förderplanungen sowie Elternarbeit finden im Team statt, so dass die unterschiedlichen Kompetenzen der verschiedenen Berufsgruppen gewinnbringend für alle Schülerinnen und Schüler genutzt werden können.

Organisatorisches
In Bielefeld gibt es mittlerweile 16 Schwerpunktschulen, an denen Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf gemeinsam unterrichtet werden.
Seit dem Schuljahr 2009/10 arbeiten wir auch an der Sudbrackschule nach dem Konzept des „Gemeinsamen Lernens“. Zunächst wurden in jeweils einer Klasse jedes Jahrganges Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf gemeinsam unterrichtet. In der Regel gehörten der Lerngruppe 6 Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen (die im Bereich Lernen, Emotionale und soziale Entwicklung, Sprache, Geistige Entwicklung, Körperliche und motorische Entwicklung, Hören und Kommunikation oder Sehen liegen können) und bis zu 19 Schülerinnen und Schüler ohne sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf an. Durch diese Zusammensetzung war es möglich, dass die Klasse dauerhaft in Doppelbesetzung unterrichtet werden konnte – eine Grundschullehrerin und eine Lehrerin für Sonderpädagogik bildeten gemeinsam das Klassenleitungsteam und sind für alle Schüler und Eltern gleichberechtigte Ansprechpartnerinnen.
Seit dem Schuljahr 2015/2016, im Zuge der Umsetzung des Inklusionsgedankens, wurde das Konzept des gemeinsamen Lernens an der Sudbrackschule weiterentwickelt. Durch die vermehrte Zuweisung von Kindern mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen aus anderen Schulen, vor allem in den Jahrgängen 3 und 4, wurde es notwendig, Umstrukturierungen vorzunehmen. In vielen Diskussionen in pädagogischen Konferenzen, Fachkonferenzen und Teamsitzungen wurde strittig argumentiert und überlegt, wie die Kinder mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen sinnvoll inkludiert werden können, ohne dass sie a) eine besondere Rolle innehaben, b) nach ihren jeweiligen Kompetenzen sinnvoll unterrichtet und gefördert werden können und c) die sonderpädagogische Ressource sinnvoll eingesetzt und genutzt werden kann.
In den Diskussionen wurde sehr deutlich, dass sich die Rollen der Lehrkräfte verändern werden. Es geht dabei um Haltungen, die den Schülerinnen und Schülern, den Eltern und allen Berufsgruppen, die mit und an einem Kind arbeiten, entgegengebracht werden.
Das Schulentwicklungsvorhaben, eine gute inklusive Schule zu entwickeln, ist eine große Herausforderung für uns, an der wir in den nächsten Jahren intensiv arbeiten wollen. Dabei steht auch der gesundheitsförderliche Aspekt ebenfalls im Mittelpunkt unserer Gedanken. Die zukünftige Konzeption muss gewährleisten, dass Kinder mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen entsprechend ihrer Bedarfe inklusiv gefördert werden. Uns ist bewusst, dass dieses Vorhaben hohe Ansprüche an Lehrkräfte und pädagogisches Personal stellt.
Diese Herausforderungen sind nur durch eine gut funktionierende strukturell abgesicherte Teamarbeit zu bewerkstelligen. Auch außerschulische Unterstützungsangebote müssen dazu genutzt werden. Neben den Jahrgangsteams, die gemeinsam Unterricht vorbereiten, braucht es multiprofessionelle Teams aus
Lehrkräften, Sonderpädagogen, Schulsozialarbeitern, Integrationshelfern und pädagogische Mitarbeitern, die gemeinsam auf das jeweilige Kind schauen und sich gegenseitig stärken.


Durch die Überlegungen, eine pädagogisch sinnvolle Aufteilung der Kinder mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen auf alle Klassen, versprechen wir uns ein gutes Miteinander aller Schülerinnen und Schüler, das den inklusiven Gedanken fördert und so die sozialen Kompetenzen aller gestärkt werden.
Dieses große Schulentwicklungsvorhaben bedarf einer regelmäßigen Evaluation bei allen an Schule Beteiligten, um das hohe Ziel der Inklusion gut umzusetzen und stetig weiterzuentwickeln.
Im Schuljahr 2016/2017 haben wir zum ersten Mal alle Kinder mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen im Jahrgang 1 auf alle Klassen aufgeteilt. Die dazu erforderliche Evaluation hat im Frühjahr 2017 stattgefunden. Sie wurde in einer pädagogischen Konferenz durch eine Kartenabfrage herbeigeführt.

Stand: September 2023

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