
Liebe Erziehungsberechtigte,
einige Eltern sind unzufrieden darüber, dass ihre Kinder in der Mensa nur wenig essen. Aus diesem Grund bin ich als Elternvertreterin zum Halhof und in die Mensa gegangen, um mir vor Ort selbst ein Bild zu machen.
Was ich dort gesehen habe, hat mich ehrlich gesagt beeindruckt.
Das Mittagessen wird seit 2020 täglich frisch in der Küche auf dem Halhof in Bielefeld zubereitet. Es handelt sich dabei nicht um eine Großküche: Nur für unsere Kinder und eine Kita werden dort jeden Tag die Mahlzeiten gekocht – mit handwerklichem Anspruch und hochwertigen Zutaten.
In der Küche wird konsequent auf Fertigprodukte verzichtet. Gemüse wird frisch verarbeitet, Brühen werden selbst gekocht, Fisch und Geflügel werden vor Ort zubereitet. Wenn Fischstäbchen auf dem Speiseplan stehen, wird echtes Fischfilet paniert – nicht industriell vorgefertigtes, damit der Anteil der Panade möglichst gering ausfällt. Auch „Chicken Nuggets“ werden in der Küche auf dem Halhof selber frisch produziert. Der Pizzateig besteht aus vier verschiedenen Mehlsorten und bekommt ausreichend Zeit zum Ruhen und auch das Beilagenbrot wird frisch gebacken.
Besonders hervorzuheben ist: Das Essen kommt ohne künstliche Aromastoffe, ohne Farbstoffe und ohne Geschmacksverstärker aus. Es wird mit wenig Salz gekocht. Kurz gesagt: Essen pur.
Die Zutaten stammen überwiegend aus der Region und sind teilweise biozertifiziert. So kommt das Rindfleisch aus der Johannisbachaue, das Hähnchenfleisch vom Kikok-Hof in Delbrück und das Apfelkompott wird aus Äpfeln der Streuobstwiesen rund um den Halhof hergestellt.
Gekocht wird in der Regel saisonal. Der Speiseplan ist abwechslungsreich und bewusst so gestaltet, dass Kinder viele unterschiedliche Gemüse- und Geschmacksrichtungen kennenlernen können – von Klassikern wie Erbsen, Möhren und Brokkoli bis hin zu Sellerie, Kürbis oder Roter Beete.
Apropos Rote Beete: Während sie bei vielen Kindern (und Erwachsenen) noch skeptisch betrachtet wird, gehört sie in der Mensa der Sudbrackschule schon seit Jahren ganz selbstverständlich zum Speiseplan – und liegt damit aktuell sogar voll im Trend. Was in sozialen Medien als „neue Entdeckung“ gefeiert wird, ist hier längst gelebter Alltag.
Neben vegetarischen Gerichten gibt es zweimal pro Woche Fisch oder Fleisch. Natürlich werden bei Bedarf auch laktose- und fruktosefreie Speisen bereit gestellt.
Soweit die Qualität des Essens.
Und jetzt zur entscheidenden Frage: Warum essen viele Kinder trotzdem so wenig?
Während meiner Beobachtung in der Mensa fiel auf, dass viele Kinder sich zunächst sehr vorsichtig entscheiden. Häufig landen vor allem bekannte Beilagen auf dem Teller, während unbekanntere Komponenten eher gemieden werden. Obwohl es möglich ist, jederzeit nachzunehmen, wird das von vielen Kindern nur zögerlich genutzt.
Das hat weniger mit der Qualität des Essens zu tun als vielmehr mit Gewohnheiten. Viele Kinder sind bestimmte Geschmäcker gewohnt – oft stärker gewürzt, süßer oder stärker verarbeitet. Frisch gekochtes, weniger „überlagertes“ Essen wirkt im Vergleich dazu manchmal zunächst ungewohnt.
Die naheliegende Frage ist daher: Sollte man das Angebot stärker anpassen – hin zu mehr bekannten, stark verarbeiteten „Kinderklassikern“?
Die Antwort der Küche ist bewusst eine andere.
Das Ziel ist nicht, kurzfristig möglichst viele Kinder mit bekannten Geschmäckern zu erreichen, sondern langfristig ein gesundes und vielfältiges Essverhalten zu fördern. Schule ist eben auch ein Ort, an dem Kinder neue Erfahrungen machen – und dazu gehört auch Ernährung.
Dabei ist klar: Nicht jedes Gericht wird sofort geliebt. Viele Kinder brauchen Zeit – und mehrere Anläufe –, um neue Speisen für sich zu entdecken.
Die OGS-Betreuer*innen begleiten das Mittagessen und ermutigen die Kinder immer wieder, zumindest zu probieren. So entsteht Schritt für Schritt mehr Offenheit.
Natürlich bleibt der Einwand berechtigt, wenn Kinder sich nur sehr kleine Portionen nehmen. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Das Angebot ist da, die Qualität ist hoch – und der Weg hin zu mehr Akzeptanz ist ein Prozess, der Zeit in Anspruch nimmt.
Wenn man einen Schritt zurücktritt, wird deutlich: Viele Schulen hätten großes Glück mit einem Mensaangebot wie diesem.
Frisch gekocht, regional, abwechslungsreich – und ohne Zusatzstoffe.
Da es sich bei den Falken um einen eingetragenen Verein handelt, der nicht gewinnorientiert arbeiten muss, fließt das gesamte Mensageld zurück ins Essen. Dazu gehört auch, dass die drei ausgebildeten Köche nach Tarif bezahlt werden und das Essen mittags mit einem E-Auto angeliefert wird.
Vielleicht lohnt es sich, diesen Weg gemeinsam zu begleiten und den Kindern die Zeit zu geben, die sie brauchen, um sich darauf einzulassen.
Wer Lust hat, sich mit Ideen und Vorschlägen einzubringen, wie wir den Kindern gesundes Essen noch besser näherbringen können, ist herzlich willkommen. Schreibt mir gerne an: mensa.ideen@gmx.de
Herzliche Grüße
Sophie Jansen
(Schulpflegeschaft)


